«Bitte helfen Sie uns helfen»

Seit Beginn der Krise haben die Anfragen an unsere psychosoziale Beratung deutlich zugenommen. Immer mehr Menschen suchen bei uns Hilfe und Rat. «Bitte helfen Sie uns helfen», so lautet der Betreff von unseren E-Mails und Briefen an uns bekannte Förderstiftungen. Verschickt wurden diese vor rund drei Wochen, wegen der Coronakrise. Diese trifft unsere Klientel, Menschen mit psychischer Erschütterung besonders schwer. Ich berichte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, was ich in den letzten Tagen erlebt habe, oder von Freuden und Leiden eines Geschäftsleiters einer Stiftung, die helfen will.

Einer von sieben Erwach­se­nen in der Schweiz leiden unter einer Angst­stö­rung. Von einer Angst­stö­rung reden wir, wenn Ängste schlim­mer erlebt werden, länger anhal­ten als «normale» Angst und diese das Leben von Betrof­fe­nen bei der Arbeit, im Alltag und in Bezie­hun­gen beein­träch­tigt. Es gibt verschie­dene Formen: Spezi­fi­sche Phobien wie bspw. Angst vor Spin­nen, Blut, Gewit­ter oder Höhe, soziale Phobien wie bspw. Angst, sich lächer­lich zu machen oder aufzu­fal­len, gene­ra­li­sierte Angst­stö­rung wie bspw. das Gefühl einer nahen­den Kata­stro­phe ist allge­gen­wär­tig, Panik­stö­rung wie bspw. wieder­keh­rende Panik­at­tacken und Zwangs­stö­run­gen wie bspw. Wasch­zwang, Kontroll­zwang etc.

Es leuch­tet sofort ein, dass Menschen, die mit einer Angst­stö­rung vorbe­la­stet sind, durch die Coro­na­krise getrig­gert werden können: Angst vor Ansteckung, Angst vor ande­ren Menschen, Hygie­ne­zwang, Todes­angst.

Damit nicht immer das Besetzt­zei­chen ertönt, wenn man/frau unsere Bera­tungs­num­mer 0848 800 858 wählt, haben wir unsere Bera­tungs­zei­ten massiv ausge­baut. Bei uns bera­ten immer Fach­leute. So fallen Mehr­ko­sten an, weil wir Anru­fende kosten­los bera­ten.

Aus diesem Grund haben wir uns mit einem Hilfe­ruf per Mail oder Brief an uns bekannte Förder­stif­tun­gen gewandt und um drin­gende Unter­stüt­zung für unsere ausge­bau­ten Ange­bote gebe­ten. Und seit­her ist es mir im Takt mal ums Weinen, mal ums Lachen vor Freude: Eine Stif­tung schreibt per Mail, einige Tausend Fran­ken würden andern­tags über­wie­sen. Eine Geschäfts­füh­re­rin ruft zurück und erkun­digt sich nach Details, damit sie ihrem Stif­tungs­rat in ein paar Tagen Red und Antwort stehen kann. Eine andere Stif­tung, die gross ankün­digt, dass sie Mittel in Millio­nen­höhe für schnelle Hilfe zur Verfü­gung stellt, teilt mit, dass wir nichts bekom­men, weil bei uns der «lokale Bezug» fehle, wie wenn wir nicht auch viele Anrufe aus dieser Region erhal­ten würden… Und – da musste ich fast weinen – eine Stif­tung teilt per Mail mit, wir soll­ten deren Förder­kri­te­rien genau studie­ren und bis Mitte Septem­ber ein Gesuch einrei­chen, das dann in der Herbst­sit­zung des Stif­tungs­ra­tes bespro­chen werde. Ich versu­che es posi­tiv zu sehen: doch besser über­haupt eine Antwort als gar keine Reak­tion.

Ich bin über­zeugt und hoff­nungs­voll, dass unser riskan­tes Vorge­hen «zuerst helfen – dann Geld suchen» inhalt­lich rich­tig ist und mittel­fri­stig hono­riert werden wird. Dies, weil viele Förder­stif­tun­gen einse­hen werden, dass die Vorgabe in den Förder­kri­te­rien «das Projekt darf bei Einrei­chung noch nicht begon­nen haben» in der Krise keinen Sinn macht. Ich wette, dass es gut kommt. Hände­wa­schen, körper­li­cher Abstand und soziale Nähe machen es möglich! PS. Die Bera­tungs­zei­ten finden Sie auf www.promentesana.ch Und mit www.inclousiv.ch haben wir eine Austausch­platt­form zu Corona und psychi­scher Gesund­heit geschaf­fen. Ab der Karwo­che über­tra­gen wir auf dieser Platt­form Veran­stal­tun­gen des «Reco­very College» der Univer­si­tä­ren Psych­ia­tri­schen Dien­ste Bern. Wird span­nend.

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