Die Klimakonferenz in Belém hat einmal mehr die Vielschichtigkeit und die unterschiedlichen nationalen Interessen beim Klimaschutz offengelegt. Entsprechend beurteilen die NGOs die Ergebnisse. Insgesamt stufen sie die Bilanz als bescheiden ein. Insbesondere beim Klimaschutz fehlen Fortschritte. Beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern konnten die Teilnehmer:innen keine Einigung erzielen. Thomas Häuser, WWF-Klimaexperte und Mitglied der Schweizer Verhandlungsdelegation, sagt zu den Ergebnissen: «Obwohl viele Länder auf eine Roadmap für den Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl drängten, kam sie nicht zustande. Doch der starke Zubau von Solar- und Windenergie in den letzten Jahren zeigt: Die Energiewende ist im Gang, wenn auch noch zu langsam.» Auch Swissaid bedauert, dass trotz der Unterstützung von 80 Staaten die Verabschiedung einer Roadmap am Widerstand der ölreichen Ländern scheiterte. Zur Rolle der Schweiz sagt Sonja Tschirren, Klima Expertin bei SWISSAID: «Es ist wichtig, dass die Schweiz unter den Unterstützern der Roadmap zum Ausstieg aus fossilen Energien war, denn ohne Verzicht auf fossile Energie lässt sich das gemeinsame Ziel, dass 1.5 Grad globale Erwärmung mittelfristig nicht überschritten werden, nicht einhalten», und sie fordert, «nun müssen den Worten auch Taten folgen.»
Mehr Klimagerechtigkeit
Positiv beurteilen die Hilfswerke und Umweltorganisationen das Erreichte bei der Klimagerechtigkeit. So schreibt Alliance Sud, dass es gelungen sei, einen Mechanismus zu «Just Transition» zu beschliessen. Dieser soll soziale Gerechtigkeit bei Klimaschutzmassnahmen sicherstellen. David Knecht von der Fastenaktion sagt: «Das ist gerade für die ländlich lebenden und oft benachteiligten Menschen enorm wichtig.» Allerdings würden griffige Massnahmen für eine Finanzierung fehlen. Auch Delia Berner, Expertin für internationale Klimapolitik bei Alliance Sud, sieht Positives im Erreichten. «Die Einigung enthält die klare Erwartung, die Unterstützung von Ländern im Globalen Süden für die Anpassung an den Klimawandel zu verdreifachen», sagt sie. Und sie verlangt auch don der Schweiz, dass sie mehr öffentliche Mittel dafür einsetzen müsse: «Die Schweiz sollte dringend bei den Erträgen aus dem Emissionshandelssystem entsprechende Beträge reservieren.»
Bettina Dürr von der Fastenaktion betont die Abhängigkeit des Fortschritts beim Klimaschutz von den finanziellen Mitteln. Und sie hält fest, dass die Schweiz das Finanzierungsziel von Baku nicht umgesetzt habe. Sie verlangt: «Der Bundesrat muss so schnell wie möglich den fairen Beitrag der Schweiz zum 300 Milliarden Dollar Ziel beschliessen.» SWISSAID fügt an, dass dieser jährliche Bedarf bis 2035 weiter ansteigen werde. Wegen der sich häufenden und intensiveren Klimakastatrophen, die gerade die Länder im Süden treffen werden, sei ab 2030 steigen. Alliance Sud fasst diese Missverhältnis in Zahlen. Die zehn reichsten Prozent der Weltbevölkerung seien für 48 Prozent der Emissionen verantwortlich, die 50 ärmsten Prozent für zwölf Prozent. Aber von den Folgend er Klimakrise seien sie am stärksten betroffen.


