Luca Belci, Co-Präsident Jungwacht Blauring Schweiz, Bild: zVg

Bei J+S zu sparen kostet die Gesell­schaft lang­fris­tig mehr

Jungwacht Blauring Schweiz fordert zusammen mit Pfadibewegung Schweiz und Cevi Schweiz genügend Mittel für ihre Arbeit. Luca Belci, Co-Präsident Jungwacht Blauring Schweiz, sagt, welche Folgen das Sparen langfristig hat. Er erläutert die Bedeutung der J+S-Beiträge für die Finanzierung ihrer Angebote und er sagt, weshalb ihre Forderung gerade jetzt richtig ist, obschon der Bund sparen muss.

Welche Bedeu­tung haben  J+S‑Beiträge für die Arbeit von Jung­wacht Blau­ring Schweiz?

Die J+S‑Beiträge sind für unsere 380 loka­len Grup­pen zentral. Jedes Jahr orga­ni­sie­ren sie schweiz­weit rund 450 Lager. Pro Teil­neh­men­dem und Lager­tag wird ein Beitrag ausge­schüt­tet, der direkt hilft, die Lager­kos­ten für die Fami­lien tief zu halten. Das ist uns wich­tig: Alle Kinder sollen unab­hän­gig vom Einkom­men ihrer Eltern ins Lager mitkom­men können.

Wie finan­ziert sich ein Jung­wacht Blau­ring Lager?

Ein in wesent­li­cher Bestand­teile sind die J+S‑Beiträge. Hinzu kommen die Lager­bei­träge der Teil­neh­men­den, die wir so tief wie möglich halten. Einige lokale Grup­pen erhal­ten zusätz­lich Geld von der Kirch­ge­meinde, klei­nere Spon­so­ring- und Spen­den­bei­träge oder auch durch kleine Einsätze wie bspw. Altpapiersammlungen. 

Was das Perso­nal kosten würde, über­steigt jedes Budget. 

Luca Belci, Co-Präsi­dent Jung­wacht Blau­ring Schweiz

Welche finan­zi­elle Bedeu­tung hat die Frei­wil­li­gen­ar­beit für Jung­wacht Blauring?

Ohne Frei­wil­li­gen­ar­beit wäre unsere Arbeit gar nicht denk­bar. Unsere rund 10’000 ehren­amt­li­chen Leiten­den leis­ten jedes Jahr hundert­tau­sende Stun­den unbe­zahlt Arbeit. Dadurch wird jeder inves­tierte Fran­ken verviel­facht. Was das Perso­nal kosten würde, über­steigt jedes Budget. Diese Frei­wil­li­gen sind unser gröss­tes Kapital.

Sie verlan­gen zusam­men mit der Pfadi­be­we­gung Schweiz und Cevi Schweiz vom Parla­ment, «im Budget­pro­zess einen genü­gend hohen Kredit zu beschlies­sen». Wie hoch müsste dieser sein? 

Der gleich­blei­bende J+S‑Kredit wird von immer mehr Orga­ni­sa­tio­nen bean­sprucht. Deshalb wurde der Beitrag pro Kind und Lager­tag um 20 Prozent von 16 Fran­ken auf 12.80 Fran­ken gekürzt. Wir fordern, dass der Kredit so erhöht wird, dass wieder die vollen 16 Fran­ken ausbe­zahlt werden können. Eine gleich­blei­bende Unter­stüt­zung ist für uns auch deshalb zentral, weil sie Planungs­si­cher­heit gibt. Diese ist für die Vorbe­rei­tung der Lager und die Weiter­ent­wick­lung unse­rer Ange­bote unverzichtbar.

Der Bund muss sparen. Kommt Ihre Forde­rung nicht zum falschen Zeitpunkt?

Im Gegen­teil. Unsere Arbeit ist ein wich­ti­ger Teil der Kinder- und Jugend­för­de­rung in der Schweiz. Kinder lernen bei uns Verant­wor­tung zu über­neh­men und wich­tige Lebens­kom­pe­ten­zen zu entwi­ckeln. Zudem fördern unsere Ange­bote Bewe­gung und Gesund­heit und wir wissen: Wer sich schon als junger Mensch frei­wil­lig enga­giert, tut dies mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit auch später viel öfter. Jeder inves­tierte Fran­ken wird durch das frei­wil­lige Enga­ge­ment verviel­facht. Bei J+S zu sparen, ist kurz­fris­tig gedacht, denn lang­fris­tig kostet es die Gesell­schaft mehr.

Mit den geplan­ten Kürzun­gen ist der Bund drauf und dran, den Erfolg von J+S selbst zu opfern.

Luca Belci 

Falls das Parla­ment nicht in Ihrem Sinn entschei­det: Welche alter­na­ti­ven Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten sehen Sie?

Zusätz­li­che Mittel zu finden, ist in der Praxis schwie­rig: Lokale Grup­pen arbei­ten mit klei­nem Budget, rein ehren­amt­lich und ohne profes­sio­nelle Fund­rai­sing-Struk­tu­ren. Wenn die J+S‑Beiträge wegfal­len, bleibt am Schluss oft nur eine Möglich­keit – die Erhö­hung der Lager­bei­träge. Das wider­spricht unse­rem Ziel, dass wirk­lich alle Kinder teil­neh­men können, unab­hän­gig vom Einkom­men ihrer Eltern.

Sind Sie das Opfer des eige­nen Erfolgs?

Das immer mehr J+S Akti­vi­tä­ten ange­bo­ten werden ist erfreu­lich und eine Berei­che­rung für die Gesell­schaft. Sie fördern die Entwick­lung und die Gesund­heit von Kinder- und Jugend­li­chen.  Aber die staat­li­che Unter­stüt­zung erlaubt den Ehren­amt­li­chen über­haupt erst, solche Ange­bote zu schaf­fen. Man könnte sagen: Mit den geplan­ten Kürzun­gen ist der Bund drauf und dran, den Erfolg von J+S selbst zu opfern.

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