Welche Bedeutung haben J+S‑Beiträge für die Arbeit von Jungwacht Blauring Schweiz?
Die J+S‑Beiträge sind für unsere 380 lokalen Gruppen zentral. Jedes Jahr organisieren sie schweizweit rund 450 Lager. Pro Teilnehmendem und Lagertag wird ein Beitrag ausgeschüttet, der direkt hilft, die Lagerkosten für die Familien tief zu halten. Das ist uns wichtig: Alle Kinder sollen unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern ins Lager mitkommen können.
Wie finanziert sich ein Jungwacht Blauring Lager?
Ein in wesentlicher Bestandteile sind die J+S‑Beiträge. Hinzu kommen die Lagerbeiträge der Teilnehmenden, die wir so tief wie möglich halten. Einige lokale Gruppen erhalten zusätzlich Geld von der Kirchgemeinde, kleinere Sponsoring- und Spendenbeiträge oder auch durch kleine Einsätze wie bspw. Altpapiersammlungen.
Was das Personal kosten würde, übersteigt jedes Budget.
Luca Belci, Co-Präsident Jungwacht Blauring Schweiz
Welche finanzielle Bedeutung hat die Freiwilligenarbeit für Jungwacht Blauring?
Ohne Freiwilligenarbeit wäre unsere Arbeit gar nicht denkbar. Unsere rund 10’000 ehrenamtlichen Leitenden leisten jedes Jahr hunderttausende Stunden unbezahlt Arbeit. Dadurch wird jeder investierte Franken vervielfacht. Was das Personal kosten würde, übersteigt jedes Budget. Diese Freiwilligen sind unser grösstes Kapital.
Sie verlangen zusammen mit der Pfadibewegung Schweiz und Cevi Schweiz vom Parlament, «im Budgetprozess einen genügend hohen Kredit zu beschliessen». Wie hoch müsste dieser sein?
Der gleichbleibende J+S‑Kredit wird von immer mehr Organisationen beansprucht. Deshalb wurde der Beitrag pro Kind und Lagertag um 20 Prozent von 16 Franken auf 12.80 Franken gekürzt. Wir fordern, dass der Kredit so erhöht wird, dass wieder die vollen 16 Franken ausbezahlt werden können. Eine gleichbleibende Unterstützung ist für uns auch deshalb zentral, weil sie Planungssicherheit gibt. Diese ist für die Vorbereitung der Lager und die Weiterentwicklung unserer Angebote unverzichtbar.
Der Bund muss sparen. Kommt Ihre Forderung nicht zum falschen Zeitpunkt?
Im Gegenteil. Unsere Arbeit ist ein wichtiger Teil der Kinder- und Jugendförderung in der Schweiz. Kinder lernen bei uns Verantwortung zu übernehmen und wichtige Lebenskompetenzen zu entwickeln. Zudem fördern unsere Angebote Bewegung und Gesundheit und wir wissen: Wer sich schon als junger Mensch freiwillig engagiert, tut dies mit grosser Wahrscheinlichkeit auch später viel öfter. Jeder investierte Franken wird durch das freiwillige Engagement vervielfacht. Bei J+S zu sparen, ist kurzfristig gedacht, denn langfristig kostet es die Gesellschaft mehr.
Mit den geplanten Kürzungen ist der Bund drauf und dran, den Erfolg von J+S selbst zu opfern.
Luca Belci
Falls das Parlament nicht in Ihrem Sinn entscheidet: Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sehen Sie?
Zusätzliche Mittel zu finden, ist in der Praxis schwierig: Lokale Gruppen arbeiten mit kleinem Budget, rein ehrenamtlich und ohne professionelle Fundraising-Strukturen. Wenn die J+S‑Beiträge wegfallen, bleibt am Schluss oft nur eine Möglichkeit – die Erhöhung der Lagerbeiträge. Das widerspricht unserem Ziel, dass wirklich alle Kinder teilnehmen können, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern.
Sind Sie das Opfer des eigenen Erfolgs?
Das immer mehr J+S Aktivitäten angeboten werden ist erfreulich und eine Bereicherung für die Gesellschaft. Sie fördern die Entwicklung und die Gesundheit von Kinder- und Jugendlichen. Aber die staatliche Unterstützung erlaubt den Ehrenamtlichen überhaupt erst, solche Angebote zu schaffen. Man könnte sagen: Mit den geplanten Kürzungen ist der Bund drauf und dran, den Erfolg von J+S selbst zu opfern.


