Die internationale Balzan Stiftung hat vier Wissenschaftler:innen ausgezeichnet. Mit dem Balzanpreis 2025 wurden Forschungsarbeiten in den vier Fachbereichen Demokratie, Kunst, Zeitmessung und Gentherapie gewürdigt. Sie überzeugten mit ihrer Relevanz, Aktualität und Kohärenz. Gemäss den Grundwerten der Stiftung fördern sie das Verständnis unserer Welt. Eine besondere Bedeutung für die Auswahl der Projekte hat der interdisziplinäre Charakter von Forschung.
Natur- und Geisteswissenschaften
Je zwei Preise wurden in Natur- und Geisteswissenschaften verliehen. Josiah Ober (USA) von der Stanford University erhielt die Auszeichnung für Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet. «Für seine bahnbrechenden, weit über den universitären Bereich hinaus einflussreichen Forschungen zur Entstehung und Funktionsweise der Athenischen Demokratie in klassischer Zeit, deren Erfolgsfaktoren er in erfrischend interdisziplinärem Zugriff unter stetem Vergleich mit der Gegenwart herausarbeitet und in die zeitgenössische soziopolitische Diskussion einbringt», begründet die Stiftung die Wahl. Ebenfalls aus den USA ist Rosalind Krauss von der Columbia University. Ausgezeichnet wurde sie für Kunstgeschichte der Gegenwart. Die Begründung: «Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und ihre grundlegende Rolle bei der Etablierung der zeitgenössischen Kunst als Forschungsgebiet.»
Bei den Naturwissenschaften erhielt Christophe Salomon (Frankreich), vom Laboratoire Kastler Brossel Paris, die Auszeichnung für Atome und ultrapräzise Messung der Zeit. Die Stiftung schreibt dazu: «Für seinen bahnbrechenden Beitrag zur Anwendung ultrakalter Atome bei der Herstellung von Atomuhren, die die Zeitmessung revolutioniert haben.» Und die Auszeichnung von Carl H. June (USA) von der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania, begründet die Balzan Stiftung mit «Carl June hat eine gentechnisch modifizierte Zelltherapie (CAR-T-Zellen) erfunden und entwickelt, die bislang tödliche hämatologische Krebserkrankungen geheilt hat und vielversprechende Aussichten für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen und soliden Tumoren bietet.» Er erhielt den Preis für Gentherapie und genmodifizierte Zelltherapie.
Vier neue Themenbereiche
Jeder der vier Preise ist mit 750’000 Franken dotiert. Die Hälfte des Geldes ist für Forschungsprojekte junger Forscher:innen bestimmt. Seit 1961 hat die Stiftung 171 Preis vergeben. Der Gesamtwert der vergebenen Preisgelder lag bis 2024 bei über 105 Millionen Franken. Für die Ausschreibung 2026 kündigte die Präsidentin des Preiskomitees, Marta Cartabia, vier neue Themenfelder an: Jüdische Studien, Die Sozialwissenschaft der digitalen Technologie, Biologisch abbaubare Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen und Molekulare Evolution: Entschlüsselung von Mustern genomischer Veränderungen. Im kommenden Jahr wird zudem der Sonderpreis für Menschlichkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern verliehen.
Anmerkung: In einer älteren Version stand fälschlich, dass jeder Preis mit 75’000 Franken dotiert sei. Korrekt sind es 750’000 Franken.


