Wie muss ich mir die Kinderbegleitung vorstellen?
Unsere Arche Kinderbegleitung ist eine Einzelbegleitung für Kinder und Jugendliche mit Herausforderungen im Sprach‑, Schulbereich oder bei ihrer Integration. Einmal wöchentlich trifft sich das Kind mit seiner freiwilligen Begleitperson in den Räumlichkeiten der Arche Kinderbegleitung. Das Hauptziel ist die Integration. Diese wird durch eine Verbesserung der Deutschkenntnisse und die Unterstützung bei den Hausaufgaben gefördert. Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit, ohne Konkurrenz und Zeitdruck zu üben. Die individuelle Zuwendung der konstanten Einzelbegleitung steht im Vordergrund.
Welche Kinder erreichen Sie mit Ihrem Angebot – und welche würden Sie gern noch besser erreichen?
Wir erreichen vor allem Kinder, die in schwierigen Lebenssituationen aufwachsen – sei es durch Belastungen im familiären Umfeld, Herausforderungen in der Schule oder durch die Integration in ein neues Umfeld. Viele der Kinder, die zu uns in die Kinderbegleitung kommen, haben einen Migrationshintergrund und erleben täglich, wie anspruchsvoll es sein kann, sich in einer neuen Sprache und Kultur zurechtzufinden.

Tatsächlich ist die Nachfrage so gross, dass wir an allen Standorten sogar Wartelisten führen müssen. Deshalb nehmen wir Kinder nur noch über die Schulen auf, um sicherzustellen, dass diejenigen, die die Begleitung am dringendsten brauchen, auch wirklich zu uns finden. Dabei ist der einschränkende Faktor genügend freiwillige Begleitpersonen zu finden, welche bereit sind ein Kind über mehrere Jahre zu begleiten.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Eltern und Schulen? Wo liegen die grössten Herausforderungen?
Die Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern ist für uns sehr wichtig, denn sie bildet den Rahmen, in dem das Kind wächst und sich entwickelt. Der direkte Kontakt läuft dabei meist über unsere freiwilligen Begleitpersonen, die regelmässig mit den Kindern Zeit verbringen und so auch am besten spüren, was sie gerade brauchen.
Im Zentrum steht nicht die schulische Leistung, sondern die Beziehung – ein verlässliches, wertschätzendes Miteinander, das sich an den Bedürfnissen und am Wohl der Kinder orientiert. Lea Ziörjen, Betriebsleiterin Arche Kinderbegleitung
Eine unserer grössten Herausforderungen ist, dass die Arche Kinderbegleitung oft lediglich als eine Art Hausaufgabenhilfe wahrgenommen wird. Unser Angebot geht aber viel weiter: Im Zentrum steht nicht die schulische Leistung, sondern die Beziehung – ein verlässliches, wertschätzendes Miteinander, das sich an den Bedürfnissen und am Wohl der Kinder orientiert.
Es geht darum, dass die Kinder Vertrauen aufbauen, gestärkt werden und erleben, dass jemand an sie glaubt – und das ist letztlich auch die Grundlage dafür, dass sie in der Schule besser zurechtkommen.
Wo sehen Sie gesellschaftlich die grössten Lücken in der Unterstützung von Kindern mit Mehrfachbelastungen?
Ich sehe die Schwierigkeiten vor allem dort, wo Kinder Übergänge bewältigen müssen – zum Beispiel beim Wechsel von der Primar- in die Sekundarstufe oder wenn es um die Berufswahl geht. Gerade in solchen Phasen bräuchten sie eine stabile, verlässliche Bezugsperson, die Zeit hat, unterstützt und bei der eine Vertrauensbeziehung besteht.
Eine erwachsene Begleitperson, die da ist und ihnen das Gefühl gibt, gesehen und ernst genommen zu werden, kann in solchen Situationen viel bewirken.
Eine erwachsene Begleitperson, die da ist und ihnen das Gefühl gibt, gesehen und ernst genommen zu werden, kann in solchen Situationen viel bewirken, Lea Ziörjen
Wie messen oder beobachten Sie die Wirkung Ihrer Arbeit?
Wir sehen die Wirkung unserer Arbeit oft in den persönlichen Geschichten der Kinder. Besonders schön ist es, wenn wir sie über mehrere Jahre begleiten dürfen. Dieses Jahr hat zum Beispiel eine junge Frau die HMS abgeschlossen – sie war zehn Jahre lang bei uns und wurde in dieser Zeit von drei verschiedenen Begleitpersonen unterstützt. Jede von ihnen hat sie auf ihre Weise geprägt, und heute hat sie ihren Schulabschluss in der Tasche. Das zeigt sehr eindrücklich, was eine langfristige Begleitung bewirken kann.
Zusätzlich haben wir dieses Jahr auch eine Befragung der Kinder, die zu uns in die Begleitung kommen durchgeführt. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv – viele haben erzählt, wie wichtig ihnen die Zeit mit ihrer Begleitperson ist und wie sehr sie davon profitieren in die Arche zu kommen.
Was wünschen Sie sich von Politik und Verwaltung, um die Arche Kinderbegleitung langfristig zu sichern oder gar auszubauen?
Wir werden bereits vom Sozialdepartement der Stadt Zürich finanziell unterstützt, und darüber sind wir sehr dankbar. Natürlich hoffen wir, dass diese Unterstützung auch langfristig bestehen bleibt.
Grundsätzlich wünschen wir uns, dass Angebot wie die Arche Kinderbegleitung die nötige Anerkennung und Wertschätzung erhalten. Unsere Arbeit ist im Grunde ein wichtiges Präventionsangebot – sie zeigt Kindern alternative Wege auf, stärkt ihr Selbstvertrauen und kann langfristig viel bewirken, bevor Probleme überhaupt entstehen.
Die Kinderbegleiter:innen bei der Arche Zürich arbeiten als Freiwillige. Was hat Sie persönlich zur Arche Kinderbegleitung geführt?
Mich hat vor allem die Motivation zur Arche geführt, etwas Sinnstiftendes zu tun – etwas, wo man merkt, dass die Kinder von der Unterstützung profitieren. Die Kinderbegleitung ist für mich eine Aufgabe, bei der man direkt spürt, dass man etwas bewegt. Es geht um Begegnung, um Vertrauen und darum, Kindern ein Stück mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Und genau das macht die Arbeit für mich so wertvoll.



