Angela Zumbrunn verantwortet seit Januar 2022 das Integrationsprogramm «ici.gemeinsam hier.»

Alle haben etwas beizu­tra­gen – Projekte für mehr Solidarität

Am 18. Dezember ist Tag der Migration. Das Thema ist aktuell und bleibt relevant. Mit dem Programm «ici. gemeinsam hier.» fördert Migros-Engagement Projekte, welche den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Programmleiterin Angela Zumbrunn sagt, wer sich engagiert und spricht über die Schwerpunkte.

Seit Anfang 2022 verant­wor­ten Sie «ici. gemein­sam hier.» Was faszi­niert Sie an diesem Förderprogramm?

Das Programm fördert den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und die Begeg­nung auf Augen­höhe. Dieses Anlie­gen ist mir wich­tig, da ich durch meine Geschichte auch oft mit Vorur­tei­len konfron­tiert bin. Mit der ersten Ausschrei­bung, die wir im Herbst 2021 durch­ge­führt und im April 2022 kommu­ni­ziert haben konn­ten wir eine Viel­zahl an Projek­ten fördern, die sich in diesem Feld enga­gie­ren. Die Viel­falt ist riesig. Sie reicht von einer inter­kul­tu­rel­len Biblio­thek für Kinder, über Wander­grup­pen und Sport­clubs bis hin zum Mento­ring bei der beruf­li­chen Inte­gra­tion. Es ist faszi­nie­rend zu sehen, wie viele Menschen sich ehren­amt­lich für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und das Zusam­men­le­ben in unse­rem Land engagieren.

Wie sehen die Teams hinter diesen Projek­ten aus?

Es sind haupt­säch­lich Vereine mit ehren­amt­lich täti­gen Mitglie­dern, und zwar sowohl lokale wie auch zuge­zo­gene. Das war eine der Bedin­gun­gen, die wir an die Gesuch­stel­len­den gemacht haben. Wir haben aber auch ganz bewusst Ideen von Teams geför­dert, die erst lose orga­ni­siert sind. Gezielt haben wir bei der Auswahl lokal veran­kerte Initia­ti­ven berück­sich­tigt. Vor allem kleine Vorha­ben liegen uns am Herzen, auch wenn wir Projekte von gros­sen Orga­ni­sa­tio­nen im Programm haben.

Es ist faszi­nie­rend zu sehen, wie viele Menschen sich ehren­amt­lich für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und das Zusam­men­le­ben in unse­rem Land engagieren.

Angela Zumbrunn, Programm­lei­te­rin «ici. gemein­sam hier.»

Arbei­tet jedes Team für sich oder fördern Sie auch das Netzwerk?

Ja, unbe­dingt. Zum offi­zi­el­len Start des Programms haben wir im Juni 2022 in Bern einen Vernet­zungs­an­lass durch­ge­führt. Dabei haben wir ein star­kes Bedürf­nis nach Austausch und dem Kennen­ler­nen von Best Prac­ti­ces gespürt. Den näch­sten Anlass für 2023 sind wir am planen. Auch auf unse­rer Webseite sind alle 92 Projekte mit einem Steck­brief zu finden. So können die Initiant:innen nach Projek­ten in ihrer Region oder einem der drei Förder­schwer­punkte suchen.

Waren die Projekt­teams bezüg­lich Orga­ni­sa­ti­ons­form frei?

Eine Bedin­gung war, dass ein hoher Teil der Umset­zung ehren­amt­lich erfolgt. Und eine zweite Vorgabe war, dass die Projekte in inter­kul­tu­rel­len Teams umge­setzt werden. Wir woll­ten nicht den übli­chen «Helfer­an­satz» von Perso­nen mit einem privi­le­gier­ten Hinter­grund fördern, sondern ganz bewusst divers zusam­men­ge­setzte Projekt­teams, in welchen die Menschen, die von den Akti­vi­tä­ten profi­tie­ren, selbst mitar­bei­ten. Das stellt sicher, dass deren Bedürf­nisse aufge­nom­men werden und alle ihr Poten­tial einbrin­gen können.

Werden die Projekt­teams diesem Anspruch gerecht?

Ja. Es ist in der Tat gelun­gen, sehr divers zusam­men­ge­setzte Teams zu fördern. Das freut mich ganz besonders.

Weshalb dieser Fokus auf Migration?

Ein solches Programm ist aktu­ell und rele­vant, nicht nur mit Blick auf die aus der Ukraine geflüch­te­ten Menschen. Die Idee dafür entstand ja lange vor dem Krieg. Die Schwei­zer Inte­gra­ti­ons­land­schaft ist zwar bereits rela­tiv dicht und Bund und Kantone decken viele Berei­che ab. Doch es gibt noch Lücken. So gibt es Menschen, die durch das Netz der Inte­gra­ti­ons­ar­beit der Behör­den fallen. Wir wollen diese Lücken schlies­sen und nicht paral­lele Ange­bote aufbauen. Dank dem Austausch mit unse­ren Programm-Partner:innen können wir uns gut abstimmen.

Mit den geför­der­ten Projek­ten helfen Sie nun, diese Lücken zu füllen. Zeigen sich Schwer­punkte bei den bear­bei­te­ten Themen?

Wir haben im Vorfeld der Ausschrei­bung drei Förder­schwer­punkte defi­niert. Die meisten Projekte wurden zu inter­kul­tu­rel­len Begeg­nun­gen im Alltag einge­reicht. Das sind bspw. offene Treff­punkte, bei denen alle will­kom­men sind oder auch spezi­fi­sche Treff­punkte für Mütter mit ihren klei­nen Kindern oder für Jugendliche.

Welches sind die ande­ren beiden Schwerpunkte?

Ein zwei­ter Schwer­punkt behan­delt das Thema der beruf­li­chen Perspek­tive für Erwach­sene. Das kann bspw. ein Mentor:innen-Programm sein, das Orien­tie­rung und Zugang zu einem beruf­li­chen Netz­werk ermög­licht. Um zu verhin­dern, dass es ein sozia­les Gefälle in diesen Tandems gibt, haben wir insbe­son­dere Projekte geför­dert, in denen die Mentor:innen zuge­wan­derte Menschen sind. Sie waren einst mit den glei­chen Heraus­for­de­run­gen konfron­tiert, als sie in die Schweiz kamen und können nun ihre Erfah­run­gen weiter­ge­ben. Gemeint sind zum Beispiel Erwach­sene, die schon über eine Ausbil­dung in ihrem Heimat­land verfü­gen, aber nicht wissen, wie sie am schnell­sten im hiesi­gen Arbeits­markt Fuss fassen können. 

Wir wollen heraus­fin­den, wie eine Begeg­nung auf Augen­höhe verläuft, welches Poten­zial Menschen mit einer Migra­ti­ons­ge­schichte haben und wie dieses opti­mal genutzt werden kann.

Angela Zumbrunn, Programm­lei­te­rin «ici. gemein­sam hier.»

Der dritte Schwer­punkt fokus­siert auf Projekte zum Thema mehr­spra­chi­ges Aufwach­sen vor dem Kinder­gar­ten­ein­tritt. Hier geht es vor allem darum, Eltern und andere Bezugs­per­so­nen dabei zu beglei­ten, die Herkunfts­spra­chen wert­zu­schät­zen. Oft ist der Druck sofort Deutsch zu lernen sehr gross. Hier wollen wir bewusst die Erst­spra­chen in den Fokus setzen. Wir haben fest­ge­stellt, dass es deut­lich mehr solcher Projekte in der West­schweiz gibt als in der Deutschschweiz.

Kennen Sie die Gründe?

Im Rahmen der Begleit­for­schung wird die Pädago­gi­sche Hoch­schule St. Gallen versu­chen, dies herauszufinden.

Sie beglei­ten das Projekt wissenschaftlich?

Wir haben in zwei der drei Förder­schwer­punkte eine Begleit­for­schung initi­iert. Neben der erwähn­ten Mehr­spra­chig­keit lassen wir auch die inter­kul­tu­relle Begeg­nung erfor­schen. Wir wollen heraus­fin­den, wie eine Begeg­nung auf Augen­höhe verläuft, welches Poten­zial Menschen mit einer Migra­ti­ons­ge­schichte haben und wie dieses opti­mal genutzt werden kann. Beson­ders inter­es­sant ist die Arbeit mit soge­nann­ten Schlüs­sel­per­so­nen. Wir haben fest­ge­stellt, dass auch Projektinitiant:innen mit Schlüs­sel­per­so­nen aus der Commu­nity, die sie errei­chen wollen, arbei­ten und diese als Brückenbauer:innen einsetzen.

Der erste Proramm­zy­klus läuft. Wenn ich jetzt noch ein Projekt habe, kann ich dieses noch einreichen?

Die zweite Ausschrei­bung erfolgt im Früh­jahr 2023. Was wann bei uns läuft, können Inter­es­sierte einfach über unsere Webseite und Social-Media-Kanäle verfolgen.


Programm für den gesell­schaft­li­chen Zusammenhalt

Mit dem Programm «ici. gemein­sam hier.» fördert Migros-Enga­ge­ment seit 2022 Projekte, die sich für ein soli­da­ri­sches und chan­cen­glei­ches Zusam­men­le­ben in der Schweiz einset­zen. Das Förder­pro­gramm will neue Ansätze im Bereich der sozia­len Inte­gra­tion fördern und zum Nach­ah­men inspi­rie­ren. Ausge­wählte Projekte werden über zwei Jahre finan­zi­ell geför­dert und können fach­lich beglei­tet werden. Partner:nnen des Programms sind die Eidge­nös­si­sche Migra­ti­ons­kom­mis­sion EKM, die Konfe­renz der Inte­gra­ti­ons­de­le­gier­ten (KID), die Schwei­ze­ri­sche Konfe­renz der Fach­stel­len für Inte­gra­tion KoFI und die Tripar­tite Konfe­renz TK.

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