Oswald Urbancek (links, Hausdienst Weggis) mit Gärtnermeister Didier Hofstetter bei einer einheimischen Neubepflanzung bei der Schulanlage Oberdorf in Weggis.

Albert Koech­lin Stif­tung: Sensi­bi­li­sie­ren für Verän­de­run­gen im Ökosystem

Mit dem Projekt Kirschlorbeer will die Albert Koechlin Stiftung für die Auswirkungen der invasiven Neophyten auf das heimische Ökosystem sensibilisieren. Projektleiter Philipp Christen sagt, weshalb die Stiftung gerade dieses Projekt realisiert und wie die Ressonanz ist.

The Philanthropist: Was ist das Ziel des Projekts Kirschlorbeer?

Phil­ipp Chri­sten: Im Mittel­punkt des Projekts steht die Sensi­bi­li­sie­rung für Verän­de­run­gen im Ökosy­stem durch inva­sive Neophyten – also durch gebiets­fremde Pflan­zen, die sich stark ausbrei­ten. Es geht aber nicht darum, inva­sive Neophyten flächen­deckend zu bekämp­fen, sondern viel­mehr darum, die Wert­schät­zung einhei­mi­scher Pflan­zen zu stär­ken. Ein hand­fe­stes Ziel ist, alle Inner­schwei­zer Schul­areale von inva­si­ven Neophyten zu befreien. Dabei zählen wir auf die Mitwir­kung von Haus­war­tin­nen und Haus­war­ten sowie Schul­klas­sen. Das Projekt ist auf bestem Weg: Seit dem Projekt­start 2019 haben bereits 54 Schul­klas­sen und 20 Haus­dien­ste mitge­macht, und rund die Hälfte der Inner­schwei­zer Schul­areale bieten nun mit einhei­mi­schen Sträu­chern und Stau­den kleine Lebens­räume für unsere Flora und Fauna. 

Weshalb ist das Eindäm­men inva­si­ver Neophyten wichtig?

Alle Pflan­zen, die nach der Entdeckung Ameri­kas durch Chri­stoph Kolum­bus in die Schweiz kamen, werden als Neophyten bezeich­net. Im Normal­fall stel­len solche «Einwan­de­rer» kein Problem dar. Von den geschätzt 10’000 Arten, die seit 1492 in die Schweiz einge­führt wurden, können rund 800 selb­stän­dig über­le­ben und ergän­zen unser Ökosy­stem. 57 dieser 800 Neophyten entwickeln sich aber inva­siv: Das heisst, sie verdrän­gen die einhei­mi­sche Flora. Und das hat einen Einfluss auf die Biodi­ver­si­tät: Der Lebens­raum für die rund 2650 einhei­mi­schen Arten wird einge­schränkt, Nahrungs­ket­ten werden unterbrochen.

Phil­ipp Chri­sten, Projekt­lei­ter bei der Albert Koech­lin Stiftung

Wie bekannt ist in der Öffent­lich­keit, dass Kirsch­lor­beer ein Neophyt ist?

Ich glaube, das ist grund­sätz­lich weit­ge­hend bekannt: Der Kirsch­lor­beer hat bei uns keine Schäd­linge, ist nicht anfäl­lig für Krank­hei­ten – er fühlt sich wohl und kann sich unge­stört ausbrei­ten. Weni­ger bekannt ist aber, dass die aus Südosteuropa/Westasien stam­mende Pflanze sich lang­sam in unse­ren Wäldern verbrei­tet, dort die einhei­mi­sche Vege­ta­tion verdrängt und die natür­li­che Wald­ver­jün­gung verhin­dert. Denn durch die dich­ten Kirsch­lor­beer­be­stände können Jung­pflan­zen einhei­mi­scher Bäume und Sträu­cher nicht mehr aufwach­sen. Verbrei­tet wird der Kirsch­lor­beer durch Vögel, die seine Beeren fres­sen. Diese Vögel sind übri­gens auch die einzi­gen Lebe­we­sen, die bei uns einen Nutzen vom Kirsch­lor­beer ziehen.

Lange galt Kirsch­lor­beer als ideale Hecken­pflanze, immer grün, robust – hat er heute gar keine Daseins­be­rech­ti­gung mehr in unse­ren Gärten?

Kirsch­lor­beer ist auch weiter­hin eine ideale Hecken­pflanze. Wird er regel­mäs­sig geschnit­ten und werden die Beeren entfernt, kann er sich auch nicht unkon­trol­liert von den Gärten in die Wälder ausbrei­ten. Als Alter­na­tive eignen sich aber beispiels­weise auch Hain­bu­chen oder Ligu­ster. Beide sind eben­falls sehr gut schneid­bare, aber nicht immer­grüne Sträu­cher. Im Gegen­satz zum Kirsch­lor­beer bieten sie aber einen ökolo­gi­schen Nutzen und sind für uns Menschen nicht giftig.

Sie spre­chen Haus­dien­ste von Schul­area­len an. Sind diese schwer vom Projekt zu überzeugen?

Im direk­ten Kontakt zeig­ten die aller­mei­sten Mitar­bei­ten­den der Haus­dien­ste Freude an einhei­mi­schen Pflan­zen. Nicht zuletzt, weil deren Pflege norma­ler­weise weni­ger aufwen­dig ist – denn der Kirsch­lor­beer muss doch regel­mäs­sig in Form geschnit­ten werden. Wich­tig ist, dass wir vor Ort mit den Verant­wort­li­chen bespre­chen, welche Pflan­zen als Ersatz für den Kirsch­lor­beer gepflanzt werden sollen.

Die Biodi­ver­si­tät wollen wir aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in Sied­lungs­ge­bie­ten fördern.

Phil­ipp Chri­sten, Albert Koech­lin Stiftung

Weshalb hat die Albert Koech­lin Stif­tung gerade dieses Projekt reali­siert und wie ist das Projekt zustande gekommen?

Die Albert Koech­lin Stif­tung fokus­siert im Bereich Umwelt mit ihren eige­nen Projek­ten vor allem auf vier Schwer­punkte: klima­scho­nende Mobi­li­tät, erneu­er­bare Ener­gien, ressour­cen­scho­nende und tier­freund­li­che Land­wirt­schaft sowie Biodi­ver­si­tät. Die Biodi­ver­si­tät wollen wir aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in Sied­lungs­ge­bie­ten fördern. Dazu gehört, dass einhei­mi­sche Stau­den und Sträu­cher wieder entspre­chen­den Lebens­raum erhal­ten. Das Projekt «Kirsch­lor­beer» haben wir zusam­men mit Fach­per­so­nen aus den Berei­chen Forst­wirt­schaft und Umwelt­bil­dung entwickelt. Teil­weise fusst es auch auf einem frühe­ren Bildungs­pro­jekt «Hecken», bei dem mit Schul­klas­sen die Arten­viel­falt von Hecken erhöht wurde.

Ihr Projekt rich­tet sich auch an Schul­klas­sen: Was steht im Fokus?

Auch hier geht es um Sensi­bi­li­sie­rung: für einen Teil unse­res Ökosy­stems und die verschie­de­nen Einflüsse darauf. Wich­tig ist aber vor allem, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler ganz direkt erle­ben, dass sich für eine Verbes­se­rung etwas machen lässt. Prak­ti­sche Arbeit im Freien, ergänzt durch konven­tio­nelle Bildung im Schul­zim­mer, ist aus unse­rer Sicht ein idea­les Modell, um nach­hal­tig etwas zu lernen und auch noch Spass daran zu haben. Denn wann darf man in der heuti­gen, digi­ta­len Zeit schon mit drecki­gen Händen etwas Gutes für die Umwelt tun – oder mit einer Säge und Muskel­kraft mithel­fen, die Biodi­ver­si­tät zu verbessern?

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